Makel los lassen

February 25, 2018

 

 Es ist eisig kalt. Die Welt hat sich mal wieder mit magischer Leichtigkeit ihre makellose, weiße Weste übergestreift, um die wir sie so beneiden. Und das so elegant und zufällig, dass es uns völlig verzaubert, wenn aus dem Nichts plötzlich weiche Kristalle aus dem Himmel herabschweben, uns sanft beregnen und die Welt für einige Momente still stehen lassen. In diesem Augenblick, wollen wir ein Teil von diesem Zauber sein, wir bleiben stehen, schauen hinauf, aber es ist uns nicht vergönnt, zu sehen, wo der flockige Puder herkommt. Und so schließen wir die Augen, lassen uns kurz von diesem wunderbar flüchtigen Glücksmoment umhüllen und fühlen uns, wie von einem flatternden Kokon umgeben. Aber wir sind kein Teil davon. Sobald wir nach diesen kleinen, kühlen, flauschigen Gebilden greifen, schmelzen sie dahin und lassen uns enttäuscht zurück.

 Es fällt uns sehr schwer, zu akzeptieren, nur betrachten zu können, anstatt anzufassen. Nur zu verstehen, ohne verändern zu wollen. Manche Welten sind nicht für uns geschaffen, genauso wie wir für manche Welten nicht geschaffen sind. Der Schnee verweilt nicht in unserer Hand und wir auf die Dauer auch nicht in seiner. Wir wollen ein Teil der Magie um uns herum sein, doch egal, was wir machen, letztendlich eignen wir uns die Natur an, verändern sie so, dass wir mit ihr klarkommen, machen sie zahm und stumpf, bis wir schließlich bemerken, dass wir ihr damit ihren Zauber genommen haben. Denn wir haben noch nicht verstanden, dass das, was uns fasziniert in dieser verborgenen Harmonie liegt, die wir weder begreifen, noch in Ruhe lassen können. 

 Wir haben noch nicht verstanden, dass Perfektion auch ohne menschliche Hilfe geht. Oder vielleicht auch nur ohne menschliche Hilfe.

Aber was ist das schon? Perfektion. Dieses auf ewig unerreichbare Trugbild, das für uns aus sonderbaren Gründen das Maß der Dinge und das Endziel all unseres Strebens zu sein scheint.

Wieso sind wir der Meinung, dass Vollendung so erstrebenswert ist? 

Ist es nicht völlige Zeitverschwendung sein ganzes Leben auf einen Punkt auszurichten, um am Ende zu erkennen, dass er gar nicht existiert? Wir wollen immer schneller, immer weiter, immer höher kommen - aber was erhoffen wir uns davon?

Wir merken gar nicht, wie einfältig es ist, davon auszugehen, dass immer noch etwas Besseres kommt, während wir blind nach vorn irren, weil uns das, was da ist, nie genügt. Wir haben gelernt, dass wir uns anstrengen müssen, dass wir kämpfen müssen, um so etwas wie Glück oder Perfektion zu erreichen und gehen fest davon aus, dass das der einzige Weg ist.

Klingt das nach vollendeter Harmonie und Gleichgewicht?

 

 Vielleicht ist es das, was uns von der Welt um uns herum unterscheidet.

Sie strengt sich nicht an.

Sondern lässt es einfach zu.

 

Stay true.

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